Museum

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Ein besonderes Anliegen war es bei der Einrichtung des Museums, den Charakter eines märkischen Gutshauses darzustellen, also einen Einblick in eine 1945 untergegangene Welt zu ermöglichen. Während besonders nach der Wende die königlichen Schlösser in Berlin, Potsdam und in der Umgebung auf das Herrlichste hergerichtet werden, prächtiger und stilreiner eingerichtet als sie teilweise in den letzten Jahrhunderten waren, kann man übersehen, dass früher auf ein solches kurfürstliches oder königliches Gebäude vielleicht 100 weitaus schlichtere Gutshäuser kamen, von denen man nichts mehr weiß. Geplündert, enteignet, teilweise abgerissen oder entstellend umgebaut erinnern allenfalls Photographien an die einst vielen Landsitze, die von der Landwirtschaft lebten. Hier in Wolfshagen wurde versucht, dem Vergessen entgegen zu wirken und die Atmosphäre eines märkischen Gutshauses mit möglichst vielen authentischen Ausstattungsstücken darzustellen. Solche Häuser waren kaum jemals rein in einem bestimmten Stil eingerichtet, sondern vereinigten Möbel aus verschiedenen Epochen, die jede Generation neu ergänzte und anordnete.

 

Sammlungen


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Porzellan-Sammlung

Von vornherein war bei der Gründung des Schloss-Museums Wolfshagen klar, dass die Porzellansammlung von Prof. Bernhard v. Barsewisch, die als Leihgabe im Internationalen Keramikmuseum in Weiden stand, in das Haus überführt werden und damit einen überregionalen Anziehungspunkt bilden sollte. Es handelt sich um die größte Sammlung von mitteleuropäischem unterglasurblau gemaltem Porzellan, weitgehend Gebrauchsgegenständen aus vier Jahrhunderten und aus über 50 Manufakturen. Wegen ihres Einflusses auf die europäische Blaumalerei werden auch chinesische Stücke gezeigt. Von Raum zu Raum wird kontrastreich die Geschichte der Blaumalerei anhand von Dekoren und ihren Wanderungen dargestellt.


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Textil-Sammlung

Eine wesentliche Ergänzung der Gutshauseinrichtung ist die Sammlung von Textilien, die größtenteils aus Putlitz‘schen Gutshäusern stammt. Die als Bilder gerahmten und die vielen in Schubladen staubgeschützt ausgebreiteten Erbstücke ergeben zusammen 200 qm Ausstellungsfläche. Die Damast-Tischwäsche beginnt mit Stücken von 1708 und 1722 und zeigt die Fülle phantasievoller Muster besonders des 19. Jahrhunderts. Dazu kommen Accessoires, Hauben, Seidenbänder, Spitzentaschentücher, Handarbeiten verschiedener Techniken,  ein Sonnenschirm von ca. 1870 mit Seidendamast und Spitzen, eine Taufhaube von 1737 und als besonders seltenes Stück ein Schwanenflaum-Cape der Fürstin Barclay de Tolly, geb. Freiin v. Campenhausen. Alle Stücke sind in Katalogen abgebildet, beschrieben und teilweise mit Vergleichsabbildungen in Beziehung gesetzt.

 
 

Räume


 
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Kapelle

Die nach einer Kirchenvisitation 1570 errichtete Fachwerkkapelle stand bis 1982 südlich, dicht vor dem Südflügel des Hauses. Vor ihrem Abriß wurden die Gestühlswangen (eine datiert 1572) und einige andere Einrichtungsgegenstände geborgen. Für die Nachempfindung der Kapelle, nun im Gebäude selber, wurden aus diesen geretteten Gestühlswangen wieder ein Kirchengestühl hergestellt, zwei der ehemals vier Wappenepitaphien aufgehängt, sowie die Liedertafel, ein Taufbecken von 1580 und die Altarleuchter und ein spätgotischer Crucifixus integriert. Hier haben wir also Stücke, die vierhundert Jahre vor Ort waren, in einem Raum, der auch für Gottesdienste, Taufen und Konfirmationen benutzt wird, zur Schau gestellt.

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Gartensaal

Obwohl im ersten Stock gelegen, heißt dieser Raum von Alters her Gartensaal. Er war der am kostbarsten ausgestattete Raum mit den aufwendigsten Wandbespannungen, die hier friederizianische Szenen enthielten. Anstelle der 1952 restlos entfernten bemalten Leinwände sind neutrale Wände mit Leinwand bespannt worden, die Trompe l'oeil-Malereien in den Fensterlaibungen wurden restauriert und nach diesem Farbschema die Raumgestaltung in verschiedenen Grüntönen vorgenommen. Die Rahmen der Bilder, der Supraporten und der Spiegel richten sich nach Befunden im Nebenraum und der einzigen erhaltenen alten Interieuraufnahme des Hauses. Der Kamin wurde rekonstruiert, die stuckierte Decke ist original, ebenso der Fußboden, der aus Feldern von Kiefernholz besteht, die mit Eichenplanken getrennt sind.

 
 
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Esszimmer

Unter dem Gartensaal befindet sich das Esszimmer ebenfalls mit vier Fensterachsen, die nach Norden, zur Stepenitz blicken. Der Farbbefund ist alt, doch anstelle der früheren Heizung mit Kamin und Ofen wurden, wie überall im Haus, Wandheizungen eingesetzt. Die lange Tafel wird vor allem für Kaffeegesellschaften genutzt, aber auch für Empfänge, z. B. nach einem Vortrag, einem Konzert oder bei Trauungen. In der Mitte ist unter einem Glassturz mit Familienstücken festlich gedeckt, nicht wie für den Alltag, sondern für eine besondere Feier, wie eine Silberhochzeit, Konfirmation oder ähnliches. Wesentlich ist aber, dass hier im Sinne eines bewohnbaren Museums der Raum wirklich praktisch genutzt wird und gleichzeitig die Atmosphäre des Gutshauses mit den Sammlungsstücken und Bildern verkörpert. Letztere stellen (in Foto-Reproduktionen) ausschließlich Mitglieder der Familie Gans zu Putlitz dar.

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Erdgeschoss

Die weiteren Räume des Erdgeschosses enthalten den Kassenraum und Schlossladen im ehemaligen Wohnzimmer und, hinter einer Glaswand, das Herrenzimmer an der früheren Stelle. In weiteren Räumen finden sich die Bibliothek, ein Schlaf- oder Gästezimmer (hier im Erdgeschoss dargestellt, weil im ersten Stock die Porzellansammlung dominiert), ein Damensalon (am authentischen Ort) und weitere Wohnräume. Hier ist eine Fülle von Prignitzer Portraits aus den Familien v. Winterfeld, v. Saldern, v. Platen und v. Königsmarck ausgestellt, Möbel aus Wolfshagen und aus benachbarten Gutshäusern, Silber, Porzellan, Glas und Textilien vor allem aus Putlitz'schem Besitz.

 
 
 
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Küche

Die Gutsküche befand sich im Untergeschoß, wo das in Hanglage gebaute Gutshaus an der Nordseite Erdgeschossfenster besitzt. Praktisch an der identischen Stelle ist eine Schauküche eingerichtet mit großem Herd und vielerlei alten Küchenutensilien, von denen ebenfalls viele aus Familienbesitz stammen. Daneben schließt sich ein Dienstmädchenzimmer an, um neben der Welt der auch das Leben der Hausangestellten zu zeigen.

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Klassenzimmer

In Erinnerung an die langjährige Nutzung des Gebäudes als Schule wurde ein DDR-Klassenzimmer mit originaler Ausstattung eingerichtet.

Neben den Schulbänken und der Tafel sind auch zahlreiche Unterrichtsmaterialien erhalten.

 

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