Geschichte

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Familie Gans zu Putlitz


Wolfshagen liegt im Mittelpunkt des früheren Herrschaftsgebietes der Familie Gans zu Putlitz. Die früheste Nennung eines Familienmitgliedes in einer Kaiserurkunde von 1178 nennt einen Johannes Gans mit links-elbischen Besitzungen in der altmärkischen Wische. Aus den im 12. Jahrhundert in den Händen der Edlen Herren Gans befindlichen Landstrichen (Terrae) der Prignitz muss man schließen, dass diese Familie von ihrem altmärkischen Stammbesitz im Wendenkreuzzug 1147 die Gunst der Stunde genutzt hat und die Gebiete um die Stepenitz kolonisiert hat. Hier hat sie die Burgen und Städte Wittenberge und Perleberg begründet, an der Furt über die Stepenitz in Wolfshagen eine Burg errichtet und am Oberlauf des Flusses in Putlitz die slawische Burg übernommen, ausgebaut und hier die Stadt Putlitz begründet.

Noch weiter am Oberlauf gründete sie 1231 das erste Kloster der Region, Marienfließ. In Wolfshagen wurde der Burgturm um 1600 abgetragen und auf der Basis mittelalterlicher Keller wurden mindestens drei Renaissance-Gebäude errichtet, die aber nach dem 30jährigen Krieg verfielen. Die unsicher überlieferte Angabe, dass eine Vierflügelanlage bestanden hätte, ist durch Grabungsfunde nicht bestätigt worden. Unter dem Geheimen Rat und kurfürstlichen Statthalter Adam Gans Edlen Herrn zu Putlitz muss sein Renaissance-Schloss prächtig ausgestattet gewesen sein. Fragmente sehr qualitätvoller, teils vierfarbiger Ofenkacheln fanden sich bei Grabungen im Burggraben.


In Wolfshagen lebte bis 1719 ein Zweig der Familie Gans zu Putlitz, der calvinistisch und ziemlich wohlhabend, auch durch seine Heiraten mit bedeutenderen Familien verbunden war. Nach dem Aussterben dieser Linie erbten den Güterkomplex sechs Lehnvettern, die sehr viel kleinere Besitzungen innegehabt hatten. Nach einem Gütertausch wurde Christian Ludwig Gans Edler Herr zu Putlitz der Nachfolger in Wolfshagen. Durch seine große Tüchtigkeit bewirkte er eine Konsolidierung des Grundbesitzes, den er zu einer florierenden Gutswirtschaft ausbaute, so daß er bei seinem Tod drei Söhne mit Gütern ausstatten konnte. Wolfshagen erbte sein ältester Sohn Albrecht Gottlob. Dessen Enkel, Hermann Gans zu Putlitz, ließ von Lenné den einst bedeutenden Schloss-Park auf beiden Seiten der Stepenitz planen, mit Blicken in die Landschaft und effektvoll gesetzten, qualitätvoll gebauten Wirtschaftsgebäuden.


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Beim Einmarsch der Roten Armee wurde der Gutsherr Hans Albrecht zu Putlitz aus dem Haus vertrieben und fand bei seinem treuen Diener Herrn Bock den ersten Unterschlupf. Er zog dann nach Tacken und als er sich weiter zu entfernen hatte, nach Rathenow. Das Haus war dann mit Flüchtlingen vollgestopft, bis 1952 eine Schule eingerichtet wurde. Für diese Schulnutzung wurden einige bauliche Veränderungen vorgenommen, Manches von der Inneneinrichtung zerstört (vor allem die einmaligen bemalten Wandbespannungen), auch ein anderes Treppenhaus eingebaut und ein dritter Hauseingang angelegt. Nach der Wende zeichnete sich ab, dass der Schulstandort nicht zu halten war und 1995 wurde der Förderverein Schloss-Museum Wolfshagen begründet, um den drohenden Leerstand zu verhindern und das kostbarste Gebäude aus der Familie Gans zu Putlitz, das überkommen war, museal zu nutzen. Die sechs anderen Gutshäuser, die die Familie bis 1945 besaß, waren großenteils um 1900 umgebaut worden oder neu errichtet, baulich also von geringerem Wert, als das spätbarocke Gebäude in Wolfshagen, das zudem immer noch viele Elemente aus der Erbauungszeit enthielt.


Das Gutshaus

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Das Schloss (in der Familie nur „Gutshaus” genannt) Wolfshagen in der Prignitz liegt seit dem Wendenkreuzzug von 1147 im Herrschaftsgebiet der Familie Gans, später Gans zu Putlitz genannt. In Wolfshagen ist die Stepenitz, an deren Verlauf sich die Herrschaft hauptsächlich ausbreitete, breit aufgefächert, so dass wohl zur Bewachung einer Furt eine Burg errichtet wurde. Nach mehrfachen Auf- und Umbauten gab es vor dem 30jährigen Krieg drei Renaissance-Häuser, auf deren Resten 1787 die jetzt bestehende Zweiflügelanlage aufgebaut wurde. Diese hatte nur mäßige Umgestaltungen erfahren, so dass selbst nach der Nutzung als Schule seit 1952 viel Substanz aus der Erbauungszeit erhalten geblieben war. Die Brücke über den jetzt trockenliegenden Graben ersetzt eine mittelalterliche Zugbrücke. Die Fundamente des Torhauses wurden bei der Rekonstruktion freigelegt. Im Norden floss die Stepenitz früher mit weitaus höherem Verlauf und speiste den Wassergraben im Westen, dessen weiterer Verlauf im Süden und Osten unbekannt ist.

In vielen Räumen finden sich noch die originalen Dielenböden aus der Erbauungszeit von 1787. Von den barocken Türen waren nur einige erhalten, wurden aber bei der Restaurierung des Schlosses wieder nachgebaut, ebenso die Kastenschlösser. Bei der Restaurierung wurden auch längst vergessene und vielfach übermalte Wanddekorationen freigelegt: Im oben Foyer eine einfache illusionistische Pfeiler-Architektur, in der Kaminstube eine Winterlandschaft, die gut rekonstruiert werden konnte und in einem Raum des Obergeschosses eine Vase als Architekturornament, ebenfalls im Feld über dem Kamin. In der Kleinen Prinzenstube kamen szenische Darstellungen zum Vorschein, die auf Buchillustrationen von Chodowiecki zurückgehen, wie sie damals moderne Romane (Sterne: Sentimental Journey; Clarissa; Zwölf Szenen aus dem Leben eines Lüderlichen) illustrierten. Die als sehr harmonisch empfunden Farbfassungen der Räume gehen auf die originalen Befunde aus der Erbauungszeit zurück.


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Die kleine Fachwerk-Schlosskapelle

Die kleine Fachwerk-Schlosskapelle von 1570 ließ Adam Gans Edlen Herrn zu Putlitz um einen Gruftbau erweitern. Diese Kapelle überstand zwar den 30jährigen Krieg, nicht aber die DDR-Zeit: 1982 wurde sie nach aktiver Vernachlässigung abgerissen. Die Renaissance-Gebäude verfielen nach dem 30jährigen Krieg oder wurden nur im geringeren Teil noch bewohnt, bis 1787 auf den Fundamenten von drei Gebäuden die jetzt bestehende Zweiflügelanlage durch Albrecht Gottlob Gans Edlen Herrn errichtet wurde.

Die geringe Unregelmäßigkeit in der Fensterfront und die ursprünglich sehr steile Anlage der Treppe im Haupthaus weisen darauf hin, dass hier ein bestehendes Gebäude erweitert und aufgestockt wurde, wie auch in anderen Teilen noch Renaissance-Wände integriert sind. In Erinnerung an die alte Kapelle wurde diese in zwei zusammengefassten Räumen im Gutshaus neu eingerichtet. Es wurde ein neuer Altar aufgestellt, auf dem die alten Altarleuchter Platz fanden, eine Liedertafel und ein Kruzifixus aus der Kapelle wurden aufgehängt und vor allem: Die Gestühlswangen, die 400 Jahre vor Ort gewesen waren, wurden wieder zu Kirchenbänken ergänzt. Zwei ältere Paare von Eichenholz-Wangen sind sorgfältiger gearbeitet und müssen wohl für die Kapelle in Wolfshagen von woanders übernommen worden sein. Das Gros der Wangen besteht aus Nadelholz mit einfachen flachen Kerbschnitzereien, die schon in den Kunstdenkmalen der Provinz Brandenburg abgebildet wurden, einschließlich der 1572 datierten. In einer Wandvitrine ist das bedeutend große Taufbecken aus der Kapelle mit einer Golgatha-Szene, eine Zustiftung von 1580 der Elisabeth v. Wustrow, geborenen Gans Edlen Frau zu Putlitz aufgestellt, zusammen mit einem aus dem 19. Jahrhundert stammendes versilberten Taufbecken aus dem Hause Putlitz-Philippshof sowie einer der Schlosskapelle von Friedrich Wilhelm IV. gestiftete Kirchenpostille mit aufgeprägter Widmungsinschrift. Zwei der Wappenepitaphien wurden aufgehängt und Abgüsse von vier Figurengrabsteinen der Familie Gans zu Putlitz von 1607 vervollständigen das Bild. Ein Abguss ist der des schon erwähnten  Grabsteins der Ilse zu Putlitz, die drei anderen betreffen Familienmitglieder, die in Vehlefanz bei Kremmen verstarben, wo sich die Steine gut erhalten hatten. Die Bedeutung der Anordnung ihrer Ahnenwappen ist auf Tafeln aufgeschlüsselt.

Diese Kapelle wird kirchlich für Gottesdienste genutzt, so an Himmelfahrt und am 1. Advent für die jeweiligen Schlossfeste, ferner für Taufen und Konfirmationen, sowie für kirchliche Trauungen in Ergänzung zu den standesamtlichen Trauungen im Gartensaal. 

Da diese Schlosskapelle im Museumsrundgang enthalten ist, ist sie zu den normalen Öffnungszeiten sichtbar