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1. Die Gutshaus-Einrichtung
Ein besonderes Anliegen war es bei der Einrichtung des Museums, den Charakter eines märkischen Gutshauses
darzustellen, also einen Einblick in eine 1945 untergegangene Welt zu ermöglichen. Während besonders nach der
Wende die königlichen Schlösser in Berlin, Potsdam und in der Umgebung auf das Herrlichste hergerichtet
werden, prächtiger und stilreiner eingerichtet als sie teilweise in den letzten Jahrhunderten waren, kann man
übersehen, dass früher auf ein solches kurfürstliches oder königliches Gebäude vielleicht 100 weitaus schlichtere
Gutshäuser kamen, von denen man nichts mehr weiß. Geplündert, enteignet, teilweise abgerissen oder
entstellend umgebaut erinnern allenfalls Photographien an die einst vielen Landsitze, die von der Landwirtschaft
lebten. Hier in Wolfshagen wurde versucht, dem Vergessen entgegen zu wirken und die Atmosphäre eines
märkischen Gutshauses mit möglichst vielen authentischen Ausstattungsstücken darzustellen. Solche Häuser
waren kaum jemals rein in einem bestimmten Stil eingerichtet, sondern vereinigten Möbel aus verschiedenen
Epochen, die jede Generation neu ergänzte und anordnete.
a) Kapelle.
Die nach einer Kirchenvisitation 1570 errichtete Fachwerkkapelle stand bis in die 1980er Jahre südlich, dicht vor
dem Südflügel des Hauses. Vor ihrem Abriß wurden die Gestühlswangen (eine datiert 1572) und einige andere
Einrichtungsgegenstände geborgen. Für die Nachempfindung der Kapelle, nun im Gebäude selber, wurden aus
diesen geretteten Gestühlswangen wieder ein Kirchengestühl hergestellt, zwei der ehemals vier
Wappenepitaphien aufgehängt, sowie die Liedertafel, ein Taufbecken von 1580 und die Altarleuchter und ein
spätgotischer Crucifixus integriert. Hier haben wir also Stücke, die vierhundert Jahre vor Ort waren, in einem
Raum, der auch für Gottesdienste, Taufen und Konfirmationen benutzt wird, zur Schau gestellt.
b) Gartensaal.
Obwohl im ersten Stock gelegen, heißt dieser Raum von Alters her Gartensaal. Er war der am kostbarsten
ausgestattete Raum mit den aufwendigsten Wandbespannungen, die hier friederizianische Szenen enthielten.
Anstelle der 1952 restlos entfernten bemalten Leinwände sind neutrale Wände mit Leinwand bespannt
worden, die Trompe l'oeil-Malereien in den Fensterlaibungen wurden restauriert und nach diesem Farbschema
die Raumgestaltung in verschiedenen Grüntönen vorgenommen. Die Rahmen der Bilder, der Supraporten und
der Spiegel richten sich nach Befunden im Nebenraum und der einzigen erhaltenen alten Interieuraufnahme
des Hauses. Der Kamin wurde rekonstruiert, die stuckierte Decke ist original, ebenso der Fußboden, der aus
Feldern von Kiefernholz besteht, die mit Eichenplanken getrennt sind.
c) Esszimmer.
Unter dem Gartensaal befindet sich das Eßzimmer ebenfalls mit vier Fensterachsen, die nach Norden, zur
Stepenitz blicken. Der Farbbefund ist alt, doch anstelle der früheren Heizung mit Kamin und Ofen wurden, wie
überall im Haus, Wandheizungen eingesetzt. Die lange Tafel wird vor allem für Kaffeegesellschaften genutzt,
aber auch für Empfänge, z. B. nach einem Vortrag, einem Konzert oder bei Trauungen. In der Mitte ist unter
einem Glassturz mit Familienstücken festlich gedeckt, nicht wie für den Alltag, sondern für eine besondere Feier,
wie eine Silberhochzeit, Konfirmation oder ähnliches. Wesentlich ist aber, dass hier im Sinne eines bewohnbaren
Museums der Raum wirklich praktisch genutzt wird und gleichzeitig die Atmosphäre des Gutshauses mit den
Sammlungsstücken und Bildern verkörpert. Letztere stellen (in Foto-Reproduktionen) ausschließlich Mitglieder
der Familie Gans zu Putlitz dar.
d) Erdgeschoss.
Die weiteren Räume des Erdgeschosses enthalten den Kassenraum und Schlossladen im ehemaligen
Wohnzimmer und, hinter einer Glaswand, das Herrenzimmer an der früheren Stelle. In weiteren Räumen finden
sich die Bibliothek, ein Schlaf- oder Gästezimmer (hier im Erdgeschoss dargestellt, weil im ersten Stock die
Porzellansammlung dominiert), ein Damensalon (am authentischen Ort) und weitere Wohnräume. Hier ist eine
Fülle von Prignitzer Portraits aus den Familien v. Winterfeld, v. Saldern, v. Platen und v. Königsmarck
ausgestellt, Möbel aus Wolfshagen und aus benachbarten Gutshäusern, Silber, Porzellan, Glas und Textilien vor
allem aus Putlitz'schem Besitz.
e) Küche.
Die Gutsküche befand sich im Untergeschoß, wo das in Hanglage gebaute Gutshaus an der Nordseite
Erdgeschossfenster besitzt. Praktisch an der identischen Stelle wird eine Schauküche eingerichtet mit großem
Herd und vielerlei alten Küchenutensilien, von denen ebenfalls viele aus Familienbesitz stammen. Daneben
schließt sich ein Dienstmädchenzimmer an, um neben der Welt der Herrschaft auch die der Hausangestellten
aufzuzeigen.
2. Porzellan
Von vorneherein war bei der Gründung des Fördervereins Schloss-Museum Wolfshagen klar, dass die
Porzellansammlung von Prof. Bernhard v. Barsewisch, die als Leihgabe im Internationalen Keramikmuseum in
Weiden stand, in das Haus überführt werden und damit einen überregionalen Anziehungspunkt bilden sollte. Es
handelt sich um die größte Sammlung von mitteleuropäischem unterglasurblau gemalten Porzellan, weitgehend
Gebrauchsgegenständen aus vier Jahrhunderten und aus über 50 verschiedenen Manufakturen. Gezeigt werden
auch chinesische Stücke wegen ihres Einflusses auf die europäische Blaumalerei. Von Raum zu Raum wird
kontrastreich die Geschichte der Blaumalerei anhand von Dekoren und ihren Wanderungen dargestellt.
3. Seddin-Raum
Wegen des nahegelegenen Königsgrabs Seddin sind Repliken der Fundstücke, die das Museum für Ur- und
Frühgeschichte in Berlin zur Verfügung stellen konnte, in einem extra Raum ausgestellt. Dieses
spätbronzezeitliche Hügelgrab enthielt bedeutende Grabbeigaben. Seine Bedeutung wurde durch neue Grabungen
in der Umgebung noch erhöht.
4. Klassenzimmer
In Erinnerung an die langjährige Nutzung des Gebäudes als Schule wurde ein DDR-Klassenzimmer mit originaler
Ausstattung eingerichtet.
Ein Konsoltisch wurde vom Prignitz-Museum Havelberg ausgeliehen und mit zwei Kopien ergänzt, ebenso ist der Ofen eine Ergänzung. Die Stühle und die
Wandappliken sind Anfertigungen für diesen Raum. Mit dieser festlichen Ausstattung ist er für Konzerte, Vorträge, Empfänge und standesamtliche Trauungen
einer der schönsten Räume in der Prignitz.
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